Interview mit den Klimapiraten: "Unser Schiff war Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Plenarsaal und Kampagnenbüro"

by eric on 16. Januar 2010

Ein Motto der Klimapiraten ist „Dabeisein reicht nicht!“ – und damit war im Dezember die Teilnahme Deutschlands am Klimagipfel in Kopenhagen gemeint. Und statt nur über Mottos zu reden, machten zwei Duzend Klimapiraten mitten im Dezember in Greifswald die Leinen zweier Traditionssegelschiffe los und segelten Richtung Dänemark zum Gipfel. Eines der beiden Segelschiffe war die „Lovis“, ein ehemaliges Dampfschiff aus dem Jahr 1897 das zur Jahrtausendwende zum Segelschiff umgebaut wurde. Wir sprachen mit dem Klimapiraten und Lovis-Segler Nils Möllmann (33).

Die Klimakonferenz ist im Grunde gescheitert. Und bei eurer Rückkehr aus Kopenhagen klangt ihr frustriert. Habt ihr inzwischen Gründe für eine optimistischere Sicht der Dinge gefunden?
Da muss ich etwas ausweichend antworten. Wir arbeiten an diesem Wochenende all diese Themen auf und schauen, wie es weiter geht. Aber ja: Einige waren sehr frustriert und ausgepowert, weil kein faires Abkommen unterzeichnet wurde. Doch es gibt auch welche die sagen, mit der Kampagne der Klimapiraten geht es weiter.

Was habt ihr euch von eurer Reise nach Kopenhagen versprochen?

Wir hatten ja einen Doppelauftrag. Erstens mal „die Große Sache“ also für das Klima zu streiten.
Der andere Handlungs-Strang  der Kampagne der geplante Baustart des Steinkohlekraftwerks des dänischen Energieversorgers „DONG energyong“ in Lubmin/MV.
Kaum waren wir in Kopenhagen gelandet und in den letzten Zügen unserer  Vorbereitung der Aktion bei der Kopenhagener Konzernfiliale von „DONG energy“,
wurde gemeldet, dass das Kraftwerk nicht gebaut wird. Das war natürlich eine gute Nachricht, die uns viel Energie gegeben hat.

Euer Motto ist „Dabei sein reicht nicht“ – Was habt ihr in Kopenhagen getan?
Unser Schiff die Lovis war Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Plenarsaal, Kampagnenbüro und so weiter. Wir haben uns dort mit den den anderen NGOs (Non-Govermental Organisation) abgesprochen und Events veranstaltet. Zum Beispiel beim recht spontanen „Climate Shame – Wie shave our Heads“ haben sich 15 von uns gemeinsam mit anderen Passanten vor dem Bella Center öffentlich den Kopf rasiert.

Doch zunächst musstet ihr auf eigenem Kiel nach Kopenhagen kommen: mitten im Dezember mit einem Traditions-Segelschiff. Was waren die persönlich und seglerisch größten Herausforderungen für euch?
Na ja, auf der Hinfahrt hatten wir Südwind, das Klima war wie in einer kalten Septembernacht – ich fand das eher kuschelig. Auf der Rückfahrt haben wir dann aber zwischen Kopenhagen und bis Sassnitz nicht angelegt und nur einmal wegen  Nebel und Eisgang vor Hiddensee geankert. Das war für einige schon eine Herausforderung.

Wie hat das Zusammenspiel zwischen der Lovis-Crew und den nicht so segelerfahrenen Klimapiraten geklappt?
Das hat gut geklappt. Wir haben mit der Lovis damit auch schon viel Erfahrung, da wir sie ja für solche Aktionen zu einem Segelschiff umgebaut haben. Aber natürlich ist die Herausforderung immer, das es neben der hohen sozialen Dichte, dem Bildungsauftrag und der politischer Arbeit auf einem Schiff viel zu tun gibt. Wache gehen, Essen kochen – und oben drauf kommt das Wetter, wenn man unterwegs ist. Aber genau das macht es ja aus.

Du meinst, das Leben auf einem Segelschiff ist so etwas wie eine Teambuilding-Maßnahme?
Ja. Zu der politischen und öffentlichen Arbeit ist das ein positiver Seiteneffekt und da ergibt sich das „Mehr“ von selbst.

Im Grunde die Idee, die hinter der Lovis steht.
Ja, von Anfang an wollten wir mit der Lovis nicht nur Segeln gehen. Ziel war auch eine Plattform für Kampagnen, Aktionen und Bildungsarbeit zu bieten.
Wir waren auch schon 2008 als Kurzfilmfestival auf See unterwegs oder 2005 in der Arktis…

Was ist das nächste Projekt der Klimapiraten?
Das ist noch offen bis zum nächsten Wochenende.

Wie kann man euch unterstützen?
Werde Klimapirat! Unterstütz uns bei Aktionen unterstützen, veranstalte selber öffentlichkeitsnahe Mitmach-Aktionen oder spende.

(Klimapiraten, Lovis)

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