Interview mit Abby Sunderland: „Es tut gut, da heil heraus gekommen zu sein“

by eric on 1. Juli 2010

Am 23. Januar 2010 bricht die 16-jährige Amerikanerin Abby Sunderland in Marina del Rey in Kalifornien alleine zu einem Segeltörn um die Welt auf. „Ich werde versuchen, als jüngste Solo-Seglerin die Welt zu umrunden“, schreibt sie auf ihrer Homepage.

Abby Sunderland wird auf der Insel La Réunion von Ihrem Bruder Zac in Empfang genommen (alle Fotos: Dorothee Staude)

Am 10. Juni 2010 gerät sie jedoch im Indischen Ozean in einen schweren Sturm, neun Meter hohe Wellen bedrohen ihr Boot. Sie erleidet einen Mastbruch und sendet ein Notsignal. Plötzlich bricht der Funkkontakt zu ihr ab. Australische und französische  Rettungsmannschaften machen sich auf die Suche nach dem in Seenot geratenen Teenager. Zwei Tage später wird die Amerikanerin bei starkem Wellengang von dem französischen Fischerboot „Ile de la Réunion“ gerettet und auf das französische Überseedepartement La Réunion gebracht. Noch vor ihrer Ankunft auf dem Festland  berichtet Abby Sunderland in einem Interview von ihrem Segeltörn.

Abby Sunderland, wie fühlen Sie sich kurz vor Ihrer Ankunft auf dem Festland von La Réunion?
Ich begreife, dass ich völlig außer Gefahr bin und es tut gut, da heil herausgekommen zu sein. Den Fischern, die mich gerettet haben, bin ich sehr dankbar. Und auch allen anderen will ich danken, die sich auf den Weg gemacht haben, um mir zu helfen, als ich nach dem Mastbruch abgetrieben bin. Ich bin froh hier zu sein und mich auf die Heimreise vorzubereiten.

Die Kabine "Camarote N° 3" auf dem französischen Patrouillenboots OSIRIS, das Abby nach ihrer Rettung auf die französische Insel La Réunion brachte

Wer wird Sie bei Ihrer Ankunft auf La Réunion erwarten?
Meine Eltern und ein Teil meiner Familie werden mich dort empfangen. Danach geht es zurück in die Vereinigten Staaten, nach Los Angeles, wo wir herkommen. Ich bin so glücklich und kann es kaum erwarten, sie wieder zu sehen. Das wird ein großer Moment für mich werden. [Nur der Bruder wird anwesend sein, da Abbys Mutter kurz vor der Entbindung steht. Anmerkung der Verf.]

Erinnern Sie sich an die genauen Umstände, die zu Ihrem Mastbruch führten?
Ja, das tue ich, aber ich möchte nicht über dieses Thema sprechen.

Woran haben Sie gedacht, als Sie ohne Funkkontakt zwei Tage lang ohne Mast im Meer umher trieben?
Auch darüber will nicht sprechen.

Sie wurden von einem Fischerboot aus dem Indischen Ozean gerettet. Ihr Boot treibt aber weiterhin in den Wellen. Vermissen Sie ihre „Wild Eyes“?
Die Bergung meines Boots ist nicht möglich. Das macht mich sehr traurig, denn es hat schon eine ganze Weltumsegelung hinter sich und ist seit fast zehn Jahren auf dem Meer.

Ihr Schicksal hat eine Debatte über den Sinn solcher Rekordversuche ausgelöst. Viele Kritiker sind der Ansicht, dass eine Solo-Weltumrundung für eine 16-Jährige viel zu gefährlich sei.
Natürlich ist ein Versuch, um die Welt zu segeln gefährlich, aber ich war mir der Gefahr bewusst, als ich aufbrach. Und ich fühlte mich genauso fähig wie jeder andere Seefahrer auch, diesen Segeltörn um die Welt alleine in Angriff zu nehmen.

Abby Sunderland umringt von Journalisten: "Da hatte ich eben   kein Glück. So ist das nun mal."

Abby Sunderland umringt von Journalisten: "Da hatte ich eben kein Glück. So ist das nun mal."

Haben Sie das Winterwetter im Indischen Ozean unterschätzt?
Das Wetter war absolut phantastisch – bis zu meinem Mastbruch.

Besser sogar als bei vielen anderen, die das gleiche Abenteuer vor mir gewagt haben. Die Wetterbedingungen [im Südhalbkugel-Winter; Anmerkung der Verf.] haben nichts damit zu tun, was mit meinem Boot passiert ist. Ich kam nur einfach in einen Sturm und dabei brach mein Mast. Da hatte ich eben kein Glück. So ist das nun mal.

Wollten Sie den Rekord der jungen Jessica Watson brechen als Sie aufbrachen*?
Nein, ich bin nicht losgefahren mit dem Gedanken, oh ich fahre, um Jessica Watson zu schlagen. Für mich war die Frage nach dem Rekord zweitrangig. Ich habe die Weltumsegelung aus Freude gemacht, weil ich das Segeln liebe. Schon seit Jahren wollte ich den Segeltörn alleine machen.

Der Waschraum, den Abby mit 12 männlichen Bordkollegen über eine  Woche lang teilte. Der Schiffsmechaniker sagte: "Wenn Abby im Bad  war, dann war die Tür immer zu, damit jeder bescheid wußte. sonst ist  die Tür nämlich immer offen." und "Es war ganz schön komisch,  mit einer Frau an Bord unterwegs zu sein. Wir waren ziemlich  geniert."

Der Waschraum, den Abby mit 12 männlichen Bordkollegen über eine Woche lang teilte. Der Schiffsmechaniker sagte: "Wenn Abby im Bad war, dann war die Tür immer zu, damit jeder Bescheid wußte. sonst ist die Tür nämlich immer offen." Und: "Es war ganz schön komisch, mit einer Frau an Bord unterwegs zu sein. Wir waren ziemlich geniert."

Ihrem älteren Bruder Zac ist die Weltumsegelung gelungen. Ist er ein Konkurrent oder ein Vertrauter?
Zac ist schon einige Zeit vor mir um die Welt gesegelt. Und er hat es geschafft, aber seine Route war auch nicht genau die gleiche wie meine.

Während meines Abenteuers war er mir eine große Hilfe. Als ich das Boot alleine steuerte, hat er mir Tipps gegeben – zum Beispiel, worauf ich beim Steuern achten soll oder dass ich die Wetterlage genau im Blick habe. Das war bemerkenswert!

Ihr Abenteuer hat das Zeug zu einem guten Drehbuch.
Ich habe während der Segeltour schon in meinem Blog berichtet und denke tatsächlich daran, ein Buch zu schreiben. Allerdings weiß ich nicht, ob auch ein Dokumentarfilm oder eine Fernsehsendung entstehen wird. Ich möchte meine Segelerfahrung gerne mit anderen jungen Menschen teilen, die das Segeln lernen.

Denken Sie darüber nach, die Weltumsegelung noch einmal zu versuchen?
Es ist noch zu früh um zu sagen, ob ich die Weltumrundung alleine noch einmal versuchen werde. Aber eines ist sicher: dass ich nicht aufhören werde zu segeln.

Deutsche Interviewfassung von Dorothee Staude. Interview in französischer Sprache von François Lorin, Redakteur des Le Quotidien, Regionalzeitung auf La Réunion.

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