Die jüngste Geschichte des America’s Cup: Wie aus Freundschaft Feindschaft und schließlich Hass wurde

by eric on 7. Februar 2010

Alinghi

Die schweizer Flagge vor Valencia (Guido Trombetta/Alinghi)

Morgen beginnt vor Valencia eines der größten Segelereignisse überhaupt: der 33. America’s Cup. Inzwischen hat wohl auch der letzte, ob segelinteressiert oder nicht, etwas von den Streitigkeiten mitbekommen. Wie aber kam es überhaupt dazu? Es ist die Geschichte um eine Freundschaft zwischen zwei Männern, die durch verletzten Stolz in Feindschaft und schließlich Hass umschlug. Doch bei diesen beiden Männern handelt es sich nicht etwa um Ernesto Bertarelli, Besitzer des Alinghi Teams, und Larry Ellison, Eigner von BMW Oracle Racing. Bei dem Streit geht es nicht um Geld, sondern vielmehr um verletzten Stolz. Morgen um 10:06 Uhr beginnt das Finale eines zwischenmenschlichen Dramas, das mit einem Telefongespräch im April 2000 begann und mit einer gigantischen Entscheidung im Mai 2000 seinen Lauf nahm.

Den vorherigen Cup gewannen die Neuseeländer. Und noch nie war es einem europäischen Team gelungen, den Cup abzustauben. Bertarelli wollte dies ändern: er rief Russel Coutts an, den neuseeländischen Ausnahmesegler, und konnte ihn als Steuermann für sein Team gewinnen. Ein Aufschrei ging durch Neuseeland und drei Jahre lang schlug dem Team der geballte Hass Neuseelands entgegen. Dies besserte sich nicht, als es dem Alinghi Team 2003 gelang, den Cup zu erobern – und Neuseeland dabei vernichtend schlug: 5:0. Eine Demütigung der besonderen Art. Doch was so gut begonnen hatte, ging von da an nur noch abwärts: Der 32. Cup stand für 2007 an und anstatt von seinem Recht Gebrauch zu machen, den Austragungsort einfach zu entscheiden, schrieb Bertarelli ihn aus und erhält 70 Bewerbungen von Städten in aller Welt – darunter auch Valencia in Spanien und Cascais in Portugal. Bertarellis Manager Michel Bonnefous entscheidet sich für Valencia. Coutts, Chef des Alinghi Teams, will nach Cascais. Er kann sich jedoch nicht durchsetzen und ist gekrängt und in seinem Stolz verletzt. Er hatte erwartet, Einfluss im Team zu haben und ist nun bitter enttäuscht.

Seine Abkehr von Alinghi beginnt, er streikt und auch eine hohe Honorarvorauszahlung kann ihn nicht mehr zur Mitarbeit bewegen. 2003 trennt Bertarelli sich von Coutts. Durch eine geschickte Zusatzregel erreicht Bertarelli, dass Coutts nicht am Cup teilnehmen darf. Dies ist wohl der Moment, indem aus Feinschaft, Hass zu werden beginnt: Coutts, einer der begabtesten, größten und leidenschaftlichsten Segler, darf am Ereignis überhaupt nicht teilnehmen.

Doch die Geschichte geht weiter: 2007 wird Coutts von Larry Ellison für das BMW Oracle Racing Team angeheuert und sieht dadurch eine Chance der Revanche. Nach dem erneuten Sieg Alinghis 2007 lockert sich das Reglement und Coutts, in seiner neuen Rolle als Chef des BMW Oracle Racing Teams, das einzig zu dem Zweck zu existieren scheint, Alinghi zu schlagen, sieht seine Chance zum Angriff. BMW Oracle klagt, ein New Yorker Gericht bahnt den Weg und die Gerichtsschlacht beginnt: Larry Ellisons Team wird offizieller Herausforderer Alinghis und verhindert weitere internationale Cup-Kampagnen. Der Cup wird nun zu einer Schlacht zwischen Bertarelli und seinem einstigen Freund und Verbündeten Russell Coutts. Wer auch immer die Regatten um den Cup gewinnt, geht nicht nur als Sieger nach Hause, sondern auch als Triumphator einer zwei Jahre währenden Schlacht.

(americascup.com, Alinghi, Welt Online)

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