Yacht "Taube": Sechs junge Segler starben, weil ihr Schiff seeuntüchtig war

by eric on 25. Februar 2010

Am 20. Januar des Jahres 2009 sank vor der Küste Marokkos die Segelyacht Taube. Dabei mussten sechs junge Menschen ihr Leben lassen, nur eine junge Frau überlebte das Unglück. Inzwischen liegt der Unfallbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen (BSU) vor. Die Ergebnisse sind eindeutig: demnach war die Yacht nicht seetüchtig, mangelhaft ausgerüstet und die Crew zu unerfahren, um in solchen Gebieten zu segeln.

Am Tag des Unglücks sollte die Yacht in den Fluss Sebou an der marokkanischen Atlantikküste einlaufen. An Bord befanden sich sieben Segler im Alter von 17 – 27 Jahren, alles Teilnehmer eines Völkerverständigungsprojekts. Sie alle waren Amateursegler, an Bord herrschte keine Hierarchie. Dadurch erst kam die Entscheidung zu Stande, trotz des hohen Wellengangs aus Larache aus- und in Mehdia einzulaufen. Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und der BSU zu Folge gab es an jenem Tag Wellenhöhen von bis zu 10 Metern. Die Einfahrt in den Fluss wird schon bei Seegangstärken zwischen 5 und 6 geschlossen, so auch am 20. Januar 2009. Zum Zeitpunkt des Einlaufens in die Flussmündung wird normalerweise der Motos gestartet. Den drei männlichen Deutschen gelang dies auf Grund von starker Übermüdung nicht, zudem litt einer von ihnen an Seekrankheit. Wegen schlechter Erfahrungen wurde außerdem das Schwert eingeholt, um so die Gefahr der Grundberührung zu bannen. Ihrer Stabilität beraubt, begann die Taube sofort stark zu schwanken. Der Versuch, einen Hilferuf abzusetzen scheiterte, da das Funkgerät zu diesem Zeitpunkt ausgeschaltet war. Als das Boot dann von einer mächtigen Brandungswelle getroffen wurde, strömte überall Wasser ein – auch am Niedergang zur Kajüte, der nicht mit einem Schott verschlossen war. Die Taube kenterte und sank schnell. Nur einer Deutschen gelang es, am Ufer stehende auf sich aufmerksam zu machen und überlebte so.

Fazit: Die BSU geht davon aus, dass das Boot mangelhaft ausgerüstet und die Crew zu unerfahren war. Dennoch geht sie insgesamt von einem Schwerwetterunfall aus, der auch erfahreneren Crews mit größeren Yachten durchaus hätte zustoßen können.

Den vollständigen Bericht gibt es hier.

(segeln-magazin.de)

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